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Chronik der BRK Bereitschaft Wiesentheid

Gründungsbrief der Bereitschaft

Im September 1926, nach den Jahren des Ersten Weltkriegs, der Inflation, der politischen Zerrissenheit und der wirtschaftlichen Notlage unseres Landes, gründeten 15 Wiesentheider Männer die freiwillige Sanitätskolonne Wiesentheid. Treibende Kraft war der aus Berlin stammende Allgemeinarzt Dr. Paßemann, welcher zugleich zum Kolonnenführer und Bereitschaftsarzt in Personalunion gewählt wurde.

Gründungsmitglieder waren Franz Leonhard, Andreas Wirth, Josef Ruppert, Hans Schmucker, Nikolaus Link, Jakob Singer, Bruno Finger, Michael Schättler, Johann Geck, Georg Schraut, Heinrich Leicht, Paul Grötsch, Georg Heller und Hans Mosler.

Gründungsjahre bis zum Zweiten Weltkrieg

Bereits kurz nach der Gründung standen gemeinsam mit der sich ebenfalls formierenden Frauenbereitschaft über 40 aktive Helfer zur Verfügung. Bis zum Jahr 1936 stieg die Mitgliederzahl auf über 60 Personen an. Grund hierfür war, dass viele junge Männer aus den umliegenden Ortschaften Dienst in der Sanitätskolonne leisteten, um die Mitgliedschaft in einer NS-Organisation zu vermeiden.

Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahre 1936 wurden erstmals die Rotkreuzgrundsätze der Freiwilligkeit und der Neutralität staatlich untergraben. Viele Männer wurden direkt aus der Rotkreuzarbeit in die Sanitätstruppen der Wehrmacht einberufen. Eine stattliche Zahl von Frauen wurde als Rotkreuzschwestern ausgebildet. Bei ihnen lag die Hauptlast der Rotkreuztätigkeit während des Krieges - sei es in Lazaretten oder in der Betreuung von Vertriebenen, Evakuierten oder Heimkehrern. In der selben Zeit musste die 1929 gegründete Musikkapelle der Sanitätskolonne (bestehend aus 16 Musikern) wieder aufgelöst werden.

Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde den Rotkreuzverbänden in der amerikanischen Besatzungszone, anders als in den übrigen Besatzungszonen, die Weiterarbeit erlaubt. Als Führungskräfte durften jedoch nur Personen eingesetzt werden, welche nicht der NSDAP angehört hatten.

Bereits im Jahr 1947 kehrte das Rote Kreuz in Wiesentheid mit einem Erste-Hilfe-Kurs für insgesamt 37 Teilnehmer im Saal des Weißen Rosses unter Leitung von Robert Sendner und Babette Renner zurück. Im Teilnehmerkreis dieses Kurses saß auch Horst Urban - ein erfahrener Sanitäter, welcher in den kommenden vier Jahren als Kolonnenführer die Ortsgruppe wiederbelebte. Durch unermüdliche Werbung konnten mehrere hundert passive Fördermitglieder gewonnen werden. Zusammen mit den aktiven Mitgliedern, die zu dieser Zeit auch einen Mitgliedsbeitrag leisten mussten, war der finanzielle Grundstock für den Ortsverband Wiesentheid geschaffen. Vorsitzende wurde Gräfin Ernestine von Schönborn, 1958 gefolgt von Gräfin Graziella von Schönborn. Letztere spendete nach dem Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses spontan die erste Fahne für den Ortsverband.

Ab dem Jahr 1960 mussten Führerscheinbewerber einen Kurs über Sofortmaßnahmen am Unfallort vorweisen können. Die Schulung war fortan eine der Hauptaufgaben der Sanitätskolonne. Generell hat sich bis zu den 1970er Jahre eine deutliche Wandlung der Aufgaben vollzogen. Bis dato lagen die Schwerpunkte der Kolonnenarbeit in den Bereitschaftsdiensten bei Sportveranstaltungen, Heimkehrerbefragungen im Auftrag des Suchdienstes und Sammlungen aller Art. Der Unfallnotdienst bestand darin, erkrankte oder verletzte Personen mit einer Fahrtrage ("Anna" genannt) in die örtliche Arztpraxis zu transportieren. Regelmäßige Sanitätsübungen für den Zivil- und Katastrophenschutz rundeten das Portfolio ab.

Entwicklung der Einsatzdienste

Mit der wachsenden Technisierung, der Zunahme des Straßenverkehrs, des Baus der Bundesautobahn A3 und der Schnellstraße B286 sowie den Bau des Blutspendedienstes wandelte sich das Bild der Sanitätskolonne. Regelmäßige mobile Wachdienste an der Autobahn ("Iglu-Dienst") und die Ausweitung der Sanitätswachdienste auf Großveranstaltungen wie Sportfesten, Volkswandertagen, Motorsportrennen (insb. am Schwanberg) und den immer größer werdenden Weinfesten kamen ebenso als neue Aufgaben hinzu wie die Mithilfe bei Blutspendeterminen.

Die Zunahme von durch Fahrzeugunfälle und technische Geräte verletzten Personen überstiegen zunehmend die Kapazitäten und Möglichkeiten der Ärzte vor Ort. Es wurde daher damit begonnen, die Unfallnothilfe mobil zu machen, um die Verletzten und Erkrankten schneller und sicherer in die Kliniken bringen zu können. Dieser "neue Rettungsdienst" machte es erforderlich, die Mitglieder noch intensiver und umfangreicher auszubilden. Die Mitglieder mussten immer mehr Zeit für ihr Hobby einbringen. Hierdurch sank bis zum Beginn der 1970er Jahre die Mitgliederzahl spürbar.

Mit der Gebietsreform wechselte die Ortsgruppe im Jahr 1972 vom Kreisverband Gerolzhofen in den Kreisverband Kitzingen. Im selben Jahr wurde auf dem Gelände des Blutspendedienstes ein Krankenwagen-Stützpunkt eingerichtet. Insbesondere der langjährige Bereitschaftsarzt Dr. Klaus Geißler hatte sich zeitlebens für den Ausbau und die Modernisierung des Rettungsdienstes eingesetzt. Unter seiner Führung wurde das Fahrzeug fast rund um die Uhr durch die Mitglieder der Sanitätskolonne und einigen eigens ausgebildeten freiwilligen Unfallhelfern (welche größtenteils aus dem Internat des Landschulheims rekrutiert wurden) besetzt. Geißler wurde für sein Wirken mit der Ehrenbürgerwürde und dem Steckkreuz des Roten Kreuzes (der höchsten Auszeichnung) gewürdigt.

Auch nach der Überführung des Rettungsdienstes in ein hauptamtliches Geschäftsfeld Ende der 1970er Jahre unterstützte die Bereitschaft die Dienstbesetzung insbesondere an den Wochenenden weiterhin durch ehrenamtliches Personal.

Mitte der 1980er Jahre begann eine "Durststrecke" in der Sanitätskolonne: Es konnte nicht mehr genügend Nachwuchs rekrutiert werden. Im Jahr 1986 sank die Mitgliederzahl auf 17 aktive Mitglieder bevor Sie Mitte der 1990er Jahre mit unter zehn Mitgliedern ihren Tiefpunkt fand. Bemerkenswert ist hierbei, dass insgesamt sieben dieser Mitglieder aus der Familie Hoos stammten. Deren Enthusiasmus für das Rote Kreuz ist es vermutlich zu verdanken, dass die Bereitschaft Wiesentheid heute noch existiert.

Niedergang und Neuaufbau zur Jahrtausendwende

Gegen Ende der 1990er Jahre, nach der Zusammenführung der Sanitätskolonne und der Frauenbereitschaft zur BRK Bereitschaft Wiesentheid, wurde durch verschiedenen Maßnahmen versucht, die Bereitschaft wieder mit Leben zu erfüllen. Eine neu gegründete Jugendgruppe scheiterte jedoch mangels Interesse und auch verschiedene Werbeaktionen brachten nicht den gewünschten Erfolg.

Dieser stellte sich erst ab dem Jahr 2004 ein, als Michael Fehlbaum, Anke Heym und Christian Sturm eine erfolgreiche Jugendrotkreuzgruppe gründeten, deren Mitglieder sich schnell auch in der Bereitschaft engagierten. Die Mitgliederzahl stieg bis zum Jahr 2010 auf 40, bis zum Jahr 2017 auf 62 aktive Mitglieder.

Hierzu beigetragen haben auch zahlreiche mutige Aktionen der jungen Bereitschaftsleitung: So wurden ausgefallene Werbeaktionen durchgeführt und große Investitionen in das Einsatzmaterial und die Ausstattung der Helfer getätigt.

Fuhrpark - die Technisierung der Notfallrettung

Die führte nicht zuletzt dazu, dass der Fuhrpark von einem alten VW T3 Mannschaftstransporter um einen Krankentransportwagen (2005), ein Helfer vor Ort Fahrzeug (2007), einen Rettungswagen (2009) und einen Gerätewagen Technik und Sicherheit (2016) auf nunmehr insgesamt fünf Fahrzeuge und zwei Geräteanhänger (Stand 2017) erweitert wurde. Ein weiterer Schwerpunkt liegt seit Mitte der 2000er-Jahr auf einer guten Ausbildung der Mitglieder. Hierdurch wurde ein neuer Einsatzwert generiert, aus welchem sich die derzeitigen Einsatzdienste der Bereitschaft (Schnelleinsatzgruppe Transport, Schnelleinsatzgruppe Technik und Sicherheit, Unterstützungsgruppe Rettungsdienst, Helfer vor Ort Dienst) entwickelt haben.

Unterkunft - von der Scheune zum Rettungszentrum

Untergebracht war die Sanitätskolonne zuerst im Stall und der Scheune des "Lehrerhauses" in der Rehäusergasse (heute Weingut Fischer). In den Kriegszeiten fanden die Helfer Unterschlupf in den Räumlichkeiten und im Keller des Schlosses. Im Jahr 1948 erfolgte der Umzug in die Scheune des Rathauses (heute Trausaal / Rouillac-Saal), der Raum im Erdgeschoss des Rathauses rechts (heute Bürgerbüro) wurde mit anderen Vereinen und Organisationen geteilt. Als der Bau der Volksschule im Eisenbergring abgeschlossen war, zog die Bereitschaft 1969 in das alte Schulgebäude in der Brunnengasse (ehemaliges RAD-Lager, heute Bauhof). Nach einem Brand, bei dem durch das beherzte Eingreifen einiger Mitglieder die meisten Gegenstände der Bereitschaft gerettet werden konnten, erfolgte der Umzug in das Hofhaus und die Scheune der ehemaligen Zigarrenfabrik Baierl (heute Friseur Albersdörfer). Im Jahr 1996 wurden die im selben Gebäude befindlichen Räume, in denen eine Wäscherei untergebracht war, frei, sodass ein Umzug im selben Gebäude stattfand. Eine Sanierung der mit Feuchtigkeit durchsetzen Räume erfolgte im Jahr 2005. Mit Einführung neuer Einsatzdienste im Jahr 2009 war die Scheune am Marienplatz als Fahrzeughalle ungeeignet. Der Markt Wiesentheid stellte daraufhin das ehemalige Feuerwehrhaus in der Frommgasse zur Verfügung. Der Lehrsaal blieb nach wie vor am Marienplatz, bis im Jahr 2014 dort die Decke einbrach und einen Umzug in das Obergeschoss des historischen Pfarrhauses erforderlich machte.

Bereits Anfang der 2000er Jahre hatte es bei den Planungen zum Neubau des Feuerwehrhauses Bemühungen gegeben, alle Blaulichtorganisation in Wiesentheid unter einem Dach zu vereinen. Diese Planung wurde seinerzeit jedoch aus Kostengründen verworfen.

Im Jahr 2015 beschloss der Markt Wiesentheid, dass eine Investition in die Standorte Marienplatz und Frommgasse nicht mehr rentabel war. Nach Ausarbeitung mehrere Alternativen wurde beschlossen, in der Korbacherstraße einen Neubau in Vorfinanzierung für den Rettungsdienst, den Notarztdienst und die Bereitschaft zu errichten und das Gebäude an das Rote Kreuz zu vermieten. Nach dem ersten Spatenstich im Juli 2016 wurde das vom Ing.-Büro Brändlein geplante Gebäude am 23.07.2017 feierlich eingeweiht.

Im Jahr 2017 befindet sich die Bereitschaft mit einer nahezu perfekten Ausstattung an Personal und Material auf einem Stand, auf den die Gründungsväter vor über 90 Jahren sicher stolz gewesen wären.

Den Geist des Roten Kreuzes haben in Wiesentheid in den vergangenen Jahren zahlreiche ehrenamtliche Helfer, Freunde und Gönner aufrecht erhalten. Stellvertretend zu nennen sind die Leitungskräfte der Bereitschaft:

 

Kolonnenführer (Männer):

1926-1929 Dr. Paßemann

1929-1933 Heinrich Röder

1933-1935 August Vesper

1936-1945 Karl Lorenz

1946-1947 Robert Sendner

1948-1952 Horst Urban

1953-1957 Paul Kempf

1958-1968 Ludwig Dürner

1968-1969 Richard Krämer

1969-1976 Edmund Lurati

1976-1996 Günter Hanselmann

 

Bereitschaftsleitung Frauenbereitschaft:

1929-1968 Babette Renner

1968-1972 Hedwig Röll

1972-1996 Sibylla Dötsch

 

Bereitschaftsleiter (Frauen und Männer):

1996-2004 Ralph Bachner

2005-heute Christian Sturm

 

Bereitschaftsarzt:

1926-1937 Dr. Paßemann

1938-1957 Dr. Hesse

1958-1994 Dr. Klaus Geißler

1994-2006 Dr. Bernhard Sturn

2006-2011 Unbesetzt

2011-heute Christian Knöchlein

 

Leitung Jugendrotkreuz:

1996-2000 Timo Sturn, Anja Sturn, Benedikt Dürner

2004-2007 Michael Fehlbaum, Anke Heym, Christian Sturm

2007-2008 Andreas Teufel

2008-2010 Anke Heym, David Stadtelmeyer